„In meiner Mutter war ich geborgen“

Das Geheimnis des Mutterinstinkts, das die Wissenschaft enthüllt hat

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Kinder scherzen manchmal: „Meine Mutter scheint wie Gott zu sein. Selbst von Dingen, die ich vor ihr verheimlicht habe, weiß sie irgendwie.“ Eine Mutter kennt einen besser als man sich selbst – nicht nur in Freude und Glück, sondern auch in Schmerz, Einsamkeit und Kummer. Und das ist noch nicht alles: Manchmal gibt sie sogar ihr eigenes Leben hin, um ihr Kind zu retten.

Selbst wenn man von der weltweiten Schlagzeile über das nach nur 27 Wochen geborene Frühchen absieht, das zunächst für tot erklärt wurde, aber nach zwei Stunden in den Armen seiner Mutter wieder zu sich kam, gibt es unzählige Mütter, die ihre Kinder auf wundersame Weise vor dem sicheren Tod gerettet haben. Es ist jener geheimnisvolle Mutterinstinkt – bei dem nichts unmöglich und nichts zu beängstigend ist, wenn es um das eigene Kind geht. Man nennt das „Mutterinstinkt“ – eine Kraft, die an eine Superkraft erinnert und aus einem scheinbar zierlichen Körper hervorbricht. Woher genau stammt diese geheimnisvolle Kraft?

Das Gehirn einer Mutter, das ihr Kind mit ihrem eigenen Selbst gleichsetzt

Das landesweit erste Vergleichsexperiment zum Mutterinstinkt, das nach einer Antwort auf diese grundlegende Frage suchte, wurde im Mai 2011 in einer Sendung des Bildungsfernsehens ausgestrahlt. Das Experiment wurde von einem psychologischen Forschungsteam der Korea-Universität geleitet. Die Methode bestand in einem Gehirnscan mittels funktioneller Magnetresonanztomografie, kurz fMRT.

An dem Experiment nahmen insgesamt 22 Personen teil: elf koreanische Mütter und elf amerikanische Mütter, die jeweils Kinder im Mittelschulalter hatten. Die Untersuchung dauerte zehn Minuten. Den Teilnehmerinnen wurden 150 Adjektive zu Persönlichkeit, Gefühlen und ähnlichen Bereichen vorgelegt. Die Mütter drückten einen Knopf, wenn sie der Meinung waren, dass die vorgelegten Begriffe auf sie selbst zutrafen. Dasselbe taten sie bei Wörtern, die ihrer Meinung nach auf ihr Kind zutrafen. Bei der Beurteilung von Informationen über andere Personen wurde ebenso verfahren.

Dieses Experiment zeigt, wie unterschiedlich das Gehirn einer Mutter reagiert, wenn sie über sich selbst, über andere Menschen und über ihr Kind urteilt. Wenn das menschliche Gehirn Informationen über sich selbst beurteilt, dann wird der mediale präfrontale Kortex aktiviert. Dabei handelt es sich um ein Hirnareal, das mit der Verarbeitung sozialer Informationen zusammenhängt und vor allem dann aktiv wird, wenn man an sich selbst denkt. Bei der Beurteilung von Informationen über andere Menschen hingegen wird der dorsomediale präfrontale Kortex aktiviert.

Während des Vergleichsexperiments zum Mutterinstinkt waren die im Gehirn der Mütter aktivierten Bereiche durch die Hirnscans deutlich zu erkennen. Als sie Wörter beurteilten, die sie selbst betrafen, wurde bei den Müttern zunächst der mediale präfrontale Kortex aktiviert, also der Bereich für die Beurteilung von Informationen über einen selbst. Bei der Beurteilung anderer Menschen hingegen wurde der dorsomediale präfrontale Kortex aktiviert.

Wie aber nimmt das Gehirn einer Mutter ihr Kind wahr? Das Ergebnis des Experiments war erstaunlich: Wenn die Mütter Informationen über ihre Kinder beurteilten, so wurde jener Bereich aktiviert, der für die Selbstbeurteilung zuständig ist – der mediale präfrontale Kortex, der aktiv wird, wenn man an sich selbst denkt. Dieses Ergebnis zeigte sich bei koreanischen und amerikanischen Müttern gleichermaßen.

Was sagt uns also das Ergebnis dieses Experiments zum Mutterinstinkt? Es zeigt deutlich, dass das Gehirn der Mutter sich selbst und ihr Kind als ein und dasselbe Wesen wahrnimmt. Mit anderen Worten: In eine Mutter ist ihr Kind tief in ihrem Inneren als ein weiteres Selbst geprägt, als ihr „zweites Ich“.

Psychologische Fachleute erklärten zu den Ergebnissen des Experiments: „Im Gehirn einer Mutter hat ein Identifikationsphänomen stattgefunden, bei dem die Mutter ihr Kind als mit sich selbst identisch wahrnimmt.“ Weiter sagten sie: „Alle Mütter der Welt neigen allgemein gleichermaßen dazu, ihr eigenes Kind als einen Teil ihrer selbst zu betrachten. Das zeigt, dass der Mutterinstinkt biologisch existiert.“ Die Sendung zog daraus den Schluss, dass die Identifikation des Kindes mit dem eigenen Selbst im Gehirn einer Mutter der Grund dafür ist, dass bedingungslose Liebe zu dem Kind möglich ist, nämlich die Mutterliebe, die sogar den Tod nicht scheut.

Warum aber nimmt das Gehirn einer Mutter sich selbst und ihr Kind als ein und dasselbe Wesen wahr? Sind Mutter und Kind von Natur aus vielleicht durch ein unsichtbares, untrennbares Band eng miteinander verbunden? Betrachtet man die Forschungsergebnisse der Wissenschaftler, so ist das eindeutig der Fall.

Abbildung ①: Der Hirnbereich, der aktiviert wird, wenn eine Mutter über sich selbst urteilt: medialer präfrontaler Kortex, gelber Bereich / Der Hirnbereich, der aktiviert wird, wenn eine Mutter über andere Menschen urteilt: dorsomedialer präfrontaler Kortex, blauer Bereich
Abbildung ②: Der Hirnbereich, der aktiviert wird, wenn eine Mutter über sich selbst urteilt, und der Hirnbereich, der aktiviert wird, wenn sie über ihr Kind urteilt: identisch.
Quelle: EBS-Dokumentation „Mother Shock“, Teil 2, „Das Kind im Gehirn seiner Mutter“ (Screenshots aus dem Video)

Mikrochimärismus, das Band, das eine Mutter und ihr Kind untrennbar miteinander verbindet

Gemäß den Forschungsergebnissen der Wissenschaftler sind eine Mutter und ihr Kind untrennbar durch einen geheimnisvollen Mechanismus miteinander verbunden, der „Mikrochimärismus“ genannt wird.

Mikro“ bedeutet „sehr klein“. „Chimärismus“ bezeichnet das Phänomen, dass ein Lebewesen aus Zellen mit unterschiedlichem Erbgut (DNS) besteht. Der Begriff leitet sich von „Chimäre1 ab, was „Mischwesen“ bedeutet. Bei allen Säugetieren findet während einer Schwangerschaft ein gegenseitiger Austausch von Zellen zwischen dem Fötus und der Mutter statt. Dadurch können sowohl in dem Körper der Mutter als auch in dem Körper des Kindes Zellen vorhanden sein, die von dem jeweils anderen stammen und ein anderes Erbgut besitzen. Genau das nennt man Mikrochimärismus.

1. Der Begriff „Chimäre“ stammt von einem Wesen aus der antiken griechischen Mythologie, das einen Löwenkopf, einen Ziegenkörper und einen Schlangenschwanz hatte. (Common Sense Dictionary, veröffentlicht von Parkmungak, 2013)

Das ist auch beim Menschen so. Jeder Mensch trägt in seinem Körper Zellen der eigenen Mutter, die während seiner Zeit im Mutterleib von ihr zu ihm übergegangen sind. Vor etwa 60 Jahren fanden Wissenschaftler Belege für das Phänomen des mütterlichen Mikrochimärismus, bei dem Zellen der Mutter in den Körper des Fötus gelangen und sich dort ansiedeln.

Ein damaliger Bericht zeigte, dass Hautkrebszellen der Mutter in die Plazenta und in den Fötus gelangen können. Von da an begannen Biologen zu erkennen, dass auch normale Blutzellen der Mutter in den Fötus übergehen können. Die Immunologin J. Lee Nelson vom „Fred Hutchinson Cancer Research Center“ in Seattle, USA, und ihre Kollegen untersuchten das Blut von 32 gesunden Frauen und fanden heraus, dass sieben von ihnen weiße Blutkörperchen besaßen, die sie von ihren Müttern erhalten hatten.

Können umgekehrt auch Zellen des Fötus in den Körper der Mutter gelangen und sich dort ansiedeln? Natürlich. Während der Schwangerschaft findet zwischen Mutter und Fötus ein gegenseitiger Austausch von Zellen statt.

Wissenschaftler haben herausgefunden, dass jede Mutter, die eine Schwangerschaft erlebt hat, Zellen des Fötus in sich trägt, die von diesem in ihren Körper gelangt sind. Die erste Aufzeichnung über das Phänomen des fötalen Mikrochimärismus, bei dem Zellen des Fötus in den Körper der Mutter gelangen und sich dort ansiedeln, stammt aus dem Jahr 1893. Damals fand ein deutscher Pathologe in den Lungen von Frauen, die während der Schwangerschaft an einer hypertensiven Schwangerschaftserkrankung gestorben waren, Hinweise auf die Übertragung fötaler Zellen in den mütterlichen Körper. Später entdeckten auch Leonard A. Herzenberg von der Stanford University School of Medicine und seine Kollegen im Blut von Frauen, die mit Jungen schwanger waren, Zellen mit dem Y-Chromosom, dem Geschlechtschromosom, das das männliche Geschlecht bestimmt.

Da Frauen zwei X-Chromosomen besitzen, mussten diese Zellen eindeutig während der Schwangerschaft von ihren Föten stammen. Auch die Genetikerin Diana W. Bianchi vom Tufts Medical Center entdeckte in dem Körper von Frauen, die bereits Jahrzehnte zuvor einen Jungen geboren hatten, männliche DNS.

Den Forschungsergebnissen zufolge wurden mikrochimäre Zellen von Mutter und Fötus in verschiedenen menschlichen Geweben entdeckt, darunter Herz, Leber, Lunge, Niere, Knochenmark, Haut, Blut und Schilddrüse. Wissenschaftler gehen davon aus, dass die in dem Körper einer Frau gefundenen Zellen mit Y-Chromosom von einem männlichen Fötus stammen, während der Schwangerschaft in den Körper der Mutter gelangt sind und sich dort angesiedelt haben. Bei 80 bis 90 Prozent schwangerer Frauen lässt sich im Blut fötale DNS nachweisen. Das bedeutet, dass Zellen des Fötus über die Plazenta in den Körper der Mutter gelangen können.

Die Tatsache, dass im Körper einer Frau Zellen mit Y-Chromosom entdeckt wurden, bedeutet jedoch nicht, dass der Körper der Mutter ausschließlich mit einem männlichen Fötus Zellen austauscht. Da Mutter und Tochter beide ausschließlich X-Chromosomen besitzen, ist es aber schwierig, im Körper der Mutter Spuren der Tochter nachzuweisen. Wissenschaftler betonen jedoch, dass auch eine Tochter – genauso wie ein Sohn – eindeutig eigene Spuren an vielen Stellen des Körpers ihrer Mutter hinterlässt.

Mikrochimäre Zellen zwischen Mutter und Fötus finden sich an verschiedenen Stellen im Körper der Mutter und des Fötus. (Bereiche, in denen sich mikrochimäre Zellen zwischen Mutter und Fötus ansiedeln) / Quelle: Abbildung aus J. Lee Nelson, „Your Cells Are My Cells“, Scientific American, Februar 2008, S. 75.

Die Zellen des Kindes, die in dem Körper der Mutter koexistieren

Welche Rolle spielen die Zellen des Kindes, die sich durch Mikrochimärismus im Körper der Mutter angesiedelt haben? Im Allgemeinen können körperfremde Zellen, die etwa durch eine Knochenmarktransplantation oder eine Bluttransfusion in den Körper gelangen, immunologische Reaktionen wie Abstoßungsreaktionen auslösen oder von dem Immunsystem angegriffen und nach kurzer Zeit beseitigt werden.

Die Zellen jedoch, die sich durch den Mikrochimärismus zwischen einer Mutter und dem Fötus im Körper der Mutter angesiedelt haben, können über lange Zeit – sogar über Jahrzehnte hinweg – bestehen bleiben, sich weiter teilen und wachsen. Mikrochimäre Zellen werden auch mehr als 25 Jahre nach der Geburt noch im Blut einer Mutter gefunden; in einem Fall wurden sie 20 Jahre nach der Geburt im Lebergewebe entdeckt.

Mikrochimäre Zellen, die nach der Geburt dauerhaft im Körper verbleiben, sind an den Immunreaktionen der Mutter oder des Kindes beteiligt. In manchen Fällen können sie auch negative Auswirkungen haben und zur Entstehung von Krankheiten beitragen. Im Allgemeinen geht man jedoch davon aus, dass fötale Zellen, die in den Körper der Mutter gelangt sind, in verletzte Bereiche ihres Körpers einwandern und dort zur Regeneration von Gewebe beitragen.

Das bedeutet, dass fötale Zellen der Mutter zugutekommen können, indem sie als Vorläuferzellen am Reparaturprozess mütterlicher Gewebe beteiligt sind. Tatsächlich gibt es Hinweise darauf, dass fötale Zellen eine bedeutende Rolle bei der Gewebereparatur spielen und den Verlauf bestimmter Erkrankungen wie Brustkrebs oder rheumatoider Arthritis beeinflussen können. Einige Wissenschaftler vermuten sogar, dass die Tendenz von Frauen, länger zu leben als Männer, damit zusammenhängen könnte, dass Mütter durch den Fötus frische Zellen erhalten.

In den mütterlichen Körper gelangte fötale Zellen können auch dazu beitragen, Schäden am Herzen einer Mutter zu reparieren. Das Forschungsteam um Dr. Hina Chaudhry vom „Mount Sinai Medical Center in New York“ ging von der Beobachtung aus, dass sich Frauen während oder nach einer Schwangerschaft bei Kardiomyopathie oder einem Herzinfarkt schneller erholen können als andere Menschen, und untersuchte, ob fötale Zellen zur Reparatur von Herzschäden bei Frauen beitragen.

Das Forschungsergebnis wurde im November 2011 in der Fachzeitschrift „Circulation Research“ der „American Heart Association“ veröffentlicht. Es zeigte, dass bei schwangeren Mäusen fötale Zellen in das verletzte Herz der Mutter gelangen, dort unter anderem zu neuen Herzmuskelzellen werden und dazu beitragen können, Herzschäden zu reparieren. Dr. Chaudhry, die zu dieser wissenschaftlichen Erkenntnis gelangte, sagte dazu: „Fötale Zellen, die in das Gehirn einer Mutter gelangen, werden sich auch zu Nervenzellen entwickeln.“ Weiter erklärte sie: „Es steht außer Zweifel, dass fötale Zellen das Gehirn einer Mutter vor Krankheiten schützen.“

Eine Mutter trägt ihr Kind ein Leben lang in ihrem Kopf

Bis vor Kurzem gingen Wissenschaftler jedoch davon aus, dass beim Menschen der Mikrochimärismus, bei dem sich fötale Zellen im Körper einer Mutter ansiedeln, im gesamten Körper mit Ausnahme des Gehirns der Mutter stattfindet. Aufgrund der Blut-Hirn-Schranke hielt man Mikrochimärismus zwischen Mutter und Fötus im menschlichen Gehirn für unmöglich.

Jeder Mensch verfügt über eine Blut-Hirn-Schranke. Dabei handelt es sich um eine Barriere zwischen dem Blut und dem Gehirngewebe, die das Gehirn schützt. Die Endothelzellen der Kapillarwände im Gehirn sind besonders eng miteinander verbunden, sodass die meisten chemischen Stoffe nicht ins Gehirn gelangen können. Mit anderen Worten: Die Blut-Hirn-Schranke verhindert weitgehend, dass Medikamente, Krankheitserreger oder schädliche Substanzen über das Blut in das zentrale Nervensystem gelangen. Wissenschaftler nahmen daher an, dass diese Schranke auch den Übertritt fötaler Zellen in das Gehirn der Mutter verhindert und deshalb keine Möglichkeit besteht, dass Zellen des Kindes in das Gehirn der Mutter gelangen.

Doch Wissenschaftler entdeckten im Gehirn weiblicher Versuchsmäuse Zellen mit Y-Chromosom. Das bei Weibchen nachgewiesene Y-Chromosom stammte eindeutig von Zellen, die sie während der Schwangerschaft von einem männlichen Fötus erhalten hatten. Daraufhin begann ein Forschungsteam des „Fred Hutchinson Cancer Center“ mit Untersuchungen zu mehreren Fragen: Können fötale Zellen in das Gehirn der Mutter gelangen? Und wenn sie dorthin gelangen, wie überwinden sie die Blut-Hirn-Schranke? Am 26. September 2012 veröffentlichten die Forscher ihre Ergebnisse in der internationalen Fachzeitschrift „PLOS ONE“. Die Schlussfolgerung lautete: In verschiedenen Bereichen des Gehirns von Frauen, die einen Sohn geboren hatten, lässt sich männliche DNS nachweisen. Diese Studie war die erste, die männliche DNS im Gehirn von Frauen nachwies.

Das Team um Dr. William F. N. Chan vom „Fred Hutchinson Cancer Center“ untersuchte Hirngewebe von 59 Frauen, die im Alter zwischen 32 und 101 Jahren verstorben waren, und prüfte, ob darin männliche DNS nachweisbar war. Das Ergebnis: In 63 Prozent der untersuchten Hirngewebe von Frauen, also in fast zwei Dritteln der Fälle, wurde männliche DNS nachgewiesen. Das Forschungsteam erklärte, dass diese männliche DNS wahrscheinlich während einer Schwangerschaft von einem männlichen Fötus übertragen worden war. Dr. Chan erklärte gegenüber den Medien: „Wenn eine Frau schwanger wird, dann verändert sich im Gehirn die Blut-Hirn-Schranke, sodass Zellen eines männlichen Fötus leichter in das Gehirn gelangen können. Durch dieses Forschungsergebnis wurde nachgewiesen, dass dieser Mikrochimärismus entstehen kann.“

Das Forschungsteam berichtete außerdem, dass fötale Zellen, ähnlich wie sie möglicherweise zur Linderung anderer Beschwerden einer Mutter beitragen, auch im Gehirn der Mutter eine schützende Wirkung haben könnten. Bei Frauen mit Alzheimer, also einer Form der Demenz, wurde weniger männliche DNS im Gehirn nachgewiesen als bei Frauen ohne Alzheimer. Das deutet darauf hin, dass männliche DNS, die wahrscheinlich von fötalen Zellen stammt, eine Rolle dabei spielen könnte, das Gehirn einer Mutter vor Erkrankungen zu schützen.

Zugleich wurde festgestellt, dass männliche DNS, die von fötalen Zellen stammt, welche offenbar die Blut-Hirn-Schranke der Mutter überwunden und sich im Gehirn angesiedelt hatten, über einen sehr langen Zeitraum im Gehirn einer Mutter vorhanden bleiben kann. Die älteste Frau, bei der in dieser Studie männliche DNS im Gehirn nachgewiesen wurde, war 94 Jahre alt. Das zeigt, dass Spuren fötaler Zellen noch Jahrzehnte nach einer Schwangerschaft und der Geburt im Gehirn der Mutter vorhanden sein können. Letztlich trägt die Mutter ihr Kind also ihr Leben lang in ihrem Gehirn.

Die Mutter, ein Wesen, das allein für das Leben ihres Kindes programmiert ist

Viele Wissenschaftler teilen die Ansicht, dass eine Frau, sobald sie Mutter wird, zu einem völlig anderen Menschen wird als zuvor. Wenn eine Frau ein Kind bekommt, dann verändert sich ihr Körper, als würde er den Charakter einer starken Kämpferin annehmen, die wie ein Schutzengel für ihr Kind da ist. Fachleute gehen davon aus, dass die Zellen des Kindes, die in den Körper der Mutter gelangt sind und sich dort angesiedelt haben, eine bestimmte Rolle dabei spielen, die Mutter in eine Kriegerin wie Wonder Woman zu verwandeln.

Auch Psychologen erklären: „Fötale Zellen, die in die Blutgefäße der Mutter gelangt sind, wandern in bestimmte Bereiche des Gehirns und rufen dort den Wunsch hervor, das Kind zu schützen.“

Der Mutterinstinkt bezeichnet wörtlich „die ursprüngliche Eigenschaft, die man als Mutter besitzt“.

Von dem Augenblick an, da eine Mutter ein Kind empfängt, bemüht sie sich mit aller Kraft um das Leben und den Alltag ihres Kindes, als wäre sie ein Wesen, das nur für ihr Kind lebt. Die eigenen Schmerzen und Wunden, die damit einhergehen, beachtet sie dabei überhaupt nicht. Wenn es um ihr Kind geht, erträgt sie still jede Art von Schmerz und Opfer und gibt sogar ihr Leben ohne Zögern hin. Diese bis zum Äußersten gehende Opferbereitschaft und Liebe sind deswegen möglich, weil sie Mutter ist.

Gott lässt das Kind zehn Monate lang im Leib der Mutter heranwachsen und sorgt dafür, dass sich während dieser Zeit die Zellen des Kindes im ganzen Körper und bis in jeden Winkel des Gehirns der Mutter einprägen. So ist die Mutter, die die Zellen des Fötus ein Leben lang in ihrem Körper und in ihrem Gehirn trägt, darauf programmiert, sich für ihr Kind hinzugeben und sogar ihr Leben zu opfern.

Dadurch wird die Mutter zu einem Wesen, das bis zum Ende ihres Lebens ihr Kind mit Hingabe, Liebe und Opferbereitschaft umsorgt und das Leben ihres Kindes schützt.

„Und zur Frau sprach er: Ich will dir viel Mühsal schaffen, wenn du schwanger wirst …“ 1. Mose 3,16

„… Eva; denn sie wurde die Mutter aller, die da leben.“ 1. Mose 3,20

Eine Mutter ist ein Wesen, das darauf programmiert ist, über den langen Zeitraum von zehn Monaten ihr Kind im Leib zu tragen, es unter großen Mühen und Schmerzen zur Welt zu bringen und das Leben ihres Kindes zu schützen. Lüftet man den Schleier über dem Geheimnis des großen Mutterinstinkt, der es einer Frau sogar ermöglicht, ihr einziges Leben ohne Zögern für ihr Kind hinzugeben, erkennt man: Mutter trug mich, ihr Kind, überall in ihrem Körper und in ihrem Kopf. Ein Leben lang …

Literaturhinweise
„Mother Shock“, Teil 2: „Das Kind im Gehirn seiner Mutter“, EBS-TV-Dokumentation, ausgestrahlt am 31. Mai 2011.
J. Lee Nelson, „Your Cells Are My Cells“, Scientific American, Februar 2008, S. 72–79.
Male DNA Found in Women’s Brains“, Pressemitteilung des Fred Hutchinson Cancer Research Center, 26. September 2012.
William F. N. Chan, „Male Microchimerism in the Human Female Brain“, PLOS ONE, 26. September 2012.
Women’s Brains Have Male DNA“, Medical News Today, 27. September 2012.
Lee Young-wan, „Im Gehirn der Mutter leben Sohn und Tochter“, Chosun Ilbo, 10. Oktober 2012.